Entstehung der Kinderfasnacht Reinach
vom "schmutzige Donnschtig
Ende der
70er Jahre gründete das Zunftmitglied Ernst Feigenwinter die
Kinderfasnacht in Reinach.
Der kath.
Turnverein Reinach organisierte damals ‑ jeweils am
Samstagabend vor dem Aschenmittwoch ‑ einen Maskenball. Am
darauffolgenden Sonntag durfte dann die Zunft diese
Räumlichkeiten, inklusive Dekoration, für die Kinderfasnacht
benützen.

Die Kinder
verkleideten sich in originelle und jeweils aktuelle Suiets,
wonach sie durch ein Komitee prämiert wurden. Mit Umzügen,
Reigen und Tanz war dieser Anlass für die Kinder immer ein
begehrter und lustiger Nachmittag. Zur Krönung erhielt jedes
Kind ein z' Vieri offeriert bestehend aus Tee, Wienerli und
Brot.
Nach diesem
Sonntag erstreckte sich dann das Fasnachtstreiben mit "Fasnachtszügli"'
und "Beizenfasnacht" bis am Dienstag.
Am Sonntag
nach dem Aschenmittwoch fand dann der .Fasnachtsfir‑Sonntag"
statt. Am Abend entfachten die sogenannten "Stäcklibueben"
ein Fasnachtsfeuer. 19 jährige Jugendliche, welche vor der
Rekrutenschule standen, stapelten das gesammelte Holz, auf
dem Rebberg neben dem Kreuz, zu einem mächtigen Haufen. Tage
vorher fuhren sie mit Wagen und Pferd durch die
Reinacherstrassen und bettelten von Haus zu Haus mit
Kuhschellen und lautem Rufen von "Walle ‑ Walle ‑
Bättelschalle"' um Holz und Geld. Als "Wallen" bezeichnete
man Holzbündel von geschnittenen Baumästen. Das Geld wurde
benötigt, um den Durst zu löschen.
Noch dem
mächtigen Feuer, wo sich auch sehr viele Reinacher Bewohner
versammelten, ging es ‑ voran die Stäcklibuben ‑ mit Fackeln
in die Dorfbeizen. Für alle Gäste standen in den Restaurants
Körbe mit Fasnachtschüechli bereit. Dies natürlich gratis,
wie es auch heute noch der Fall ist! Morgens um 3 Uhr gingen
dann alle Fasnachtler mit dem Tram und viel "Halodria" noch
Basel an den Morgenstreich.
Die Zeit
hat sich geändert und somit auch dieser langjährige Brauch.
Schulferien für Wintersport wurde dem Fasnachtstreiben
vorgezogen. Das Bauerndorf hat sich zur Industrieund
Wohnstadt entwickelt. Gezwungernermasen verlagerten sich
somit die traditionellen Fasnachtstage auf's Wochenende vor
den Schulferien.
Im
Weihermattschulhaus reduzierte sich der Betrieb. Der
Maskenball war "Out"" und immer weniger Kinder kamen zum
Fasnachtstreiben. Etwa 5 Zunftfrauen versuchten schon
damals, mit Fasnachtschüechli statt Wienerli die Kinder
anzulocken. Leider lockte jedoch der Schnee, die Sonne und
das Skifahren mehr. Anstelle von 200‑300
kamen am
Schluss nur noch 20‑30 Kinder.
Die
Frage stellte sich: was können wir tun?
Damals,
als der "Schmutzige Donnerstag" nur im Nachbarkanton
Solothurn bekannt war, organisierten bereits einige
Reinacher Kindergärtnerinnen mit den Kindern einen
Fasnachtsumzug im Dorfzentrum. ‑ Also ab ins Dorf!
1983
trugen dann wir Chüechlifrauen zahlreiche Körbe gefüllt mit
frischgebackenen Chüechli zum Schlüssel‑Platz. Nach dem
Umzug verteilten wir dann die Chüechli zusammen mit heissem
Tee an die Kleinkinder. Diese Idee kam gut an! Bald
gesellten sich die Primar‑ und Realschulen dazu. Von Jahr zu
Jahr mussten mehr Chüechli gebacken werden.
Heute
werden an über 1200 Schüler und Lehrer am Schmutzigen
Donnerstag 35 Körbe bzw. ca. 10'000 Fasnachtschüechli
verteilt.
16
Chüechlifrauen (alles Zunftfrauen) arbeiten 2 1/2 Tage in
der Küche des Pfarreiheims St. Nikolaus. Emsig werden dort
300 Eier, 55 kg Mehl, Butter, Rahm und Zucker gerührt,
gesiebt, gerädelt, geknetet, gebacken und gezuckert.
An
dieser Stelle sei der kath. Kirchgemeinde ein herzliches
"Dankeschön" ausgesprochen, für die Raumlichkeiten welche
sie jedes Jahr wieder gratis zur Verfügung stellt.
Wir
hoffen noch lange all diese kleinen "Schleckmäuler"' mit
frischgebackenen Chüechli verwöhnen zu dürfen.
Therese
Herzog‑Blunschi -
April 2001