Es war Ende der 50er-Jahre. Reinach befand sich
in einer stürmischen Entwicklung vom Bauerndorf zur
Vorstadtgemeinde. Die Wohnbevölkerung verdoppelte sich zweimal
innerhalb eines Jahrzehnts. Und wie sich im Dorfkern der bauliche
Charakter mit dem Abbruch vertrauter Liegenschaften veränderte,
geriet auch das weltliche und religiöse Brauchtum massiv unter
Druck. Die entscheidenden Positionen in Politik und Gewerbe wurden
zunehmend von «Zugewanderten» eingenommen und die Reinacher Bürger
empfanden sich als Minderheit an den Rand gedrängt. In diesem
Umfeld reifte unter einigen angestammten Reinacher Bürgern der
Gedanke, sich zur Pflege der örtlichen Traditionen, zur Erhaltung
des noch vorhandenen Kulturgutes und zur Stärkung des
Zusammenhalts in irgendeiner Form zu organisieren. So kam es am 9.
November 1958 im damaligen Restaurant Burestube zur Gründung der
Zunft zu Rebmessern. Die Namensgebung lag auf der Hand, trugen
doch die Reinacher schon seit langem den Übernamen «D’Hoggemässer».
Zum festen Termin für Aufnahmefeier und Zunftessen wurde der 6.
Dezember bestimmt, Festtag des auch im Gemeindewappen verewigten
Patrons der Dorfkirche, des hl. Nikolaus von Myra.
Die anfänglich rund 20 Zunftbrüder zählende und
vom damaligen neuen gesellschaftlichen Establishment eher
belächelte Institution nahm schnell an Mitgliedern und
gesellschaftlichem Gewicht zu und gab sich die Organisationsform
etablierter Zünfte. Durch eine gezielte karitative Tätigkeit, das
aktive Mitwirken an vom Aussterben bedrohten Bräuchen (Fasnacht,
Allerheiligen, usw.) und die stilvolle Gestaltung ihrer eigenen
Anlässe gewann sie schnell ein hohes Ansehen. Der Reinacher
Banntag profitiert bis heute in hohem Masse vom Engagement der
Zunftbrüder in der Führung der Festwirtschaft. Einen besonderen
Stellenwert nehmen vor allem die Trägerschaft und der Betrieb des
Reinacher Heimatmuseums ein. Eine zu diesem Zweck von der Zunft
ins Leben gerufene Heimatmuseumskommission sammelte gezielt das
noch vorhandene Kulturgut und konnte im Jahre 1963 in von der
Gemeinde zur Verfügung gestellten Lokalitäten das erste
Heimatmuseum eröffnen. Im Jahre 1988 konnte schliesslich das neue
Heimatmuseum an der Kirchgasse bezogen werden, nachdem die
Einwohnergemeinde das ehemalige «Schampedischtehuus» gekauft,
saniert, umgebaut und der Zunft zum Betrieb anvertraut hatte. Die
umfangreiche Sammlung findet weit über Reinach hinaus Beachtung.
Zudem ist das Museum mit seinen Lokalitäten, unter anderem auch
dem Zunftsaal, zu einem Mittelpunkt des Reinacher kulturellen
Lebens geworden.
Die Zunft zu Rebmessern zählt seit einigen
Jahren knapp hundert Zunftbrüder, eine Zahl, die gemäss Satzungen
nicht überschritten werden darf. Vielmehr wird bei der Aufnahme
neuer Zunftbrüder darauf geachtet, dass sich diese auch aktiv und
ideell für das Zunftleben engagieren. So braucht sich die Zunft zu
Rebmessern über ihre Zukunft keine Sorgen zu machen. Sie ist aus
dem gesellschaftlichen und kulturellen Leben Reinachs nicht mehr
wegzudenken. Ihre Anlässe haben Form und Stil, sie durfte bei
anderen Zunftgründungen in der Region beliebter Pate sein und ist
für die Einwohner- und die Bürgergemeinde Reinach ein
verlässlicher Partner. Dies soll auch in Zukunft so bleiben.
Anlässe im Jubiläumsjahr:
Neujahrs Apéro
1.1.2008
Jubiläums-Museumsfest
Zunftmahl
6.12.2008